jeremy rifkin

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Der Kapitalismus hat ausgedient

21h ago
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10.09.14 Der neue iPod kommt aus dem 3D-Drucker, Medien werden gestreamt und den Strom zur Inbetriebnahme liefert die Sonne. Alles zum Nulltarif. Der US-amerikanische Wirtschaftsvisionär Jeremy Rifkin beschreibt in seinem Buch "Die Null-Grenzkostengesellschaft", mit welcher Wirtschaftsordnung wir es in Zukunft zu tun bekommen, wenn die Produktion von Gütern immer günstiger und ihr Besitz immer unwichtiger wird. Der Kapitalismus alter Prägung hat dann ausgedient. Es kommt das Schlaraffenland: "Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft". "Ein neues Wirtschaftssystem betritt die Weltbühne: das System der Sharing Economy, der miteinander teilenden Gemeinschaft", sagt Jeremy Rifkin. "Seit dem Aufkommen von Kapitalismus und Sozialismus im 19. Jahrhundert ist es das erste Mal, dass ein neues Wirtschaftssystem entsteht. Es ist deshalb ein ganz besonderes Ereignis. Das System des Teilens wird erblühen neben dem kapitalistischen Markt, der auf den Kapitalfluss aufbaut. Mal werden beide Systeme miteinander kooperieren, mal werden sie miteinander im Wettstreit liegen." Rifkins These: Die Kosten, um Produkte herzustellen, gehen gegen Null. Damit, so Rifkin, schrumpfen auch Gewinnmöglichkeiten. Der Kapitalismus schafft sich nach und nach selbst ab. An seine Stelle tritt das Kollektiv. "Ganz deutlich wird jetzt, dass die Zweite Industrielle Revolution stirbt", so Rifkin. "Fossile Energien werden zu teuer, die damit verbundene Technologie ist am Ende, Verbrennungsmotoren besitzen keine Zukunft mehr, das Bruttoinlandsprodukt sinkt. Wir haben steigende Arbeitslosenzahlen, eine ungleiche Einkommensverteilung zwischen Arm und Reich. Die wirtschaftliche Basis des 20. Jahrhunderts bringt uns nicht mehr weiter. Und was wir nun erleben, ist der Beginn einer dritten industriellen Revolution. Ein neues Zusammentreffen der Innnovation im Bereich von Medien, Transport und Energiegewinnung. Rifkins neuer Mensch ist anders als der von früher: nicht bloß Konsument, sondern Konsument und Produzent in einem. Die Wirtschaft läuft bald ohne Konzerne, die nur Rendite interessiert, sagt Rifkin. Doch sind seine Thesen plausibel? "Die zentrale These, dass durch Senkung der Grenzkosten Produkte irgendwann so billig oder kostenlos werden, dass der Kapitalismus sich selbst überflüssig macht, an die glaube ich beim besten Willen nicht", sagt der Blogger Sascha Lobo. "Die halte ich für naiv. Es gibt in vielen Bereichen der digitalen Ökonomie schon das Phänomen, dass Grenzkosten nah auf Null sind. Wenn ich mir bestimmte Spiele anschaue, wo man letztlich nur einen Haufen Pixel kauft, die wenig bis keine Lagerungskosten haben, die einmal erschaffen werden, und dann über Zugangsberechtigungen beliebig weiter verteilt werden können, dann stelle ich überhaupt nicht fest, dass das eine Schwächung des Kapitalismus bedeutet." Ob Uber, Airbnb oder andere: Noch steckt hinter vielen Internet-Plattformen der Sharing-Ökonomie ein Konzern, der kräftig mitverdient. Der Markt läuft als Auktion. Amateure unterbieten Profis. Doch führt die Dumping-Konkurrenz privater Netz-Anbieter zunächst nur zu neuen Fragen, nicht aber ins Schlaraffenland. "Zum einen brauche ich eine gewisse Rechtssicherheit - und die kostet Geld. Zum zweiten sehen wir, dass alle großen Erfolgsmodelle in der digitalen Sphäre sich ständig weiterentwickeln und zwar fast unabhängig davon, ob sie wirtschaftlich oder gesellschaftlich funktionieren", sagt Sascha Lobo. "Und auch diese Weiterentwicklung kostet vergleichsweise viel Geld. Insofern halte ich es in manchen Bereichen für denkbar, dass so kleine sympathische Kostenlos-Modelle die großen Konzerne ablösen. Rifkin hingegen glaubt, dass auch Plattformen wie etwa Uber bald ersetzt werden von der Gemeinschaft. Sie ziehen ihr eigenes Modell durch. Zwar sind es noch nicht die dezentralen Genossenschaften, die das Sagen haben. Doch Rifkin hält die Konsumenten für stärker als die Konzerne. "Diese Technologie ist einfach zu cool, um in der Hand einiger weniger Gesellschaften...