group dynamics

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scobel: Gruppendynamik - Menschen vertrauen auf gemeinsame Identitäten

22h ago
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3Sat scobel: Gruppendynamik - Menschen vertrauen auf gemeinsame Identitäten Ist der Mensch ein aggressives Wesen, das nur seinen Vorteil sucht? Oder ist er sozial, gruppenorientiert und auf Kooperation aus? Warum überwiegt mal das eine und mal das andere Verhalten? Und was haben die ökonomischen Möglichkeiten, die sich verschiedenen Menschen in einer Gesellschaft bieten mit deren potentieller Gewaltbereitschaft zu tun? Diese Fragen haben Wissenschaftler seit jeher beschäftigt. Erkenntnisse daraus sollen bei der Förderung von Friedensprozessen helfen. Das Leben in den heutigen komplexen Gesellschaften soll deutlich sicherer und gewaltfreier sein, als es noch für unsere Vorfahren war. In deren Stämmen und Königreichen starben anteilig mehr Menschen in gewaltvollen Auseinandersetzungen, als das bei heutigen millionenstarken Gesellschaften selbst in Kriegszeiten der Fall ist. Die These Jean-Jacques Rousseaus aus dem 18. Jahrhundert, dass größere Gesellschaften mehr Angst, Unterdrückung und Ungerechtigkeit mit sich bringen, hat sich so nicht bewahrheitet. Rousseau glaubte an die Fähigkeit des Menschen, Hand in Hand für ein übergeordnetes Gemeinwohl zu arbeiten. Allerdings nur in kleinen Gesellschaften, deren Mitglieder die gleichen Interessen teilen. Der Britische Philosoph Thomas Hobbes ging dagegen schon im 17. Jahrhundert von einem anderen Menschenbild aus. Im Naturzustand des Menschen kämpfte jeder, auf seinen eigenen Vorteil bedacht, gegen jeden. Sicherheit und Wohlstand in der Gemeinschaft konnten nach Hobbes nur durch klare soziale Ordnung und eine strenge Hierarchie erreicht werden. Wirempfinden liegt in der Natur des Menschen Solange der Mensch zurückdenken kann, hat es auch Gewalt gegeben: Zwischen Individuen, sozialen Klassen, Ethnien oder Anhängern verschiedener Religionen. Gibt es einen gemeinsamen Nenner, der allen Gewaltkonflikten zugrunde liegt? Eine Antwort könnte das Konzept der Identität geben. Jeder Mensch hat eine aus verschiedenen Bausteinen zusammengesetzte soziale Identität und ordnet sich, bewusst oder unbewusst, zahlreichen Gruppen zu. Diese können mit Geschlecht, Nationalität, politischer Ausrichtung oder anderen Faktoren zusammenhängen. Je nach Kontext, steht mal die eine, und mal die andere Gruppe im Vordergrund. Studien haben gezeigt, dass Menschen immer ihrer gerade relevanten Gruppe den Vorzug geben. Schon so banale Gemeinsamkeiten wie die Farbe eines T-Shirts oder einer Fahne lösen ein Wirempfinden aus. Auch dann, wenn keine der Testpersonen vorher die andere kannte. Es scheint also in der menschlichen Natur zu liegen, sehr schnell und notfalls auch blind auf gemeinsame Identitäten zu vertrauen. Weniger banal ist der Streit um die Darstellung des Propheten Mohammed. Die Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten 2005 sowie den antiislamischen Film "Die Unschuld der Muslime" empfinden viele Muslime als Angriff auf ihre Werte und als Provokation. Was im Rahmen der Presse- oder Kunstfreiheit im Westen als legitim gelten kann, wird in muslimischen Ländern als Missachtung wichtiger religiöser Werte empfunden. Wer aber die Werte einer Gruppe nicht teilt, erscheint ihren Mitgliedern als weniger menschlich. So werden die daraus resultierenden gewalttätigen Handlungen legitimiert. Frieden durch ein übergeordnetes, globales Ziel Dadurch, dass sich jeder Mensch mit vielen Gruppen und Werten identifiziert, können sich Identitäten überschneiden, was Konfliktpotential mindert. Übergeordnete nationale Identitäten verhindern Gewaltkonflikte innerhalb einzelner Länder. Im nächsten Schritt könnte man auch die Gewalt zwischen Nationen eindämmen. Die Europäische Union ist dafür ein gutes Beispiel. Sie umfasst derzeit 27 Länder die sich, auch bei aller Turbulenz und Unsicherheit der jüngsten Zeit, nicht bekriegen. Zugrunde liegen auch hier eine übergreifende Identität und gemeinsame Interessen. Global betrachtet könnte die Bekämpfung des Klimawandels ein gemeinsames Interesse sein, dass auch für Koo...